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Kornnattern-Infos
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Beschreibung
Erwachsene Kornnattern erreichen eine Körperlänge von 120 cm bis 150 cm, in
Ausnahmefällen auch über 180 cm (der beschriebene Rekord liegt bei 189 cm). Die
Kornnatter gehört damit zu den mittelgroßen Nattern innerhalb der Gattung
Pantherophis. Das Gewicht einer adulten Kornnatter kann abhängig von Jahreszeit
und Ernährungszustand erheblich schwanken und reicht von 200 g bei jungen,
geschlechtsreifen Tieren bis zu über 800 g bei sehr großen und gut genährten
Individuen. Weibliche Tiere erreichen im Regelfall eine größere Körperlänge als
Männchen, die Geschlechtsunterscheidung anhand äußerer Merkmale ist nur schwer
möglich. Auskunft über das Geschlecht können dabei die sich beim Männchen durch
das Vorhandensein von Hemipenistaschen langsamer verjüngende Schwanzpartie sowie
das Vorhandensein einer geringeren Anzahl von Subcaudalia beim Weibchen im
direkten Vergleich geben.
Der Körperbau der Kornnatter ist im Allgemeinen schlank, der Kopf ist nur leicht
abgesetzt. Die Augen sind groß und nahezu unbeweglich, die große, runde Pupille
wird von einem braunen Irisring eingeschlossen. Das 4. und 5., alternativ auch
das 5. und 6. der 8–9 Oberlippenschilder (Supralabialia) stehen in Kontakt mit
dem Auge, welches von einer Präoculare, zwei Postocularia und einer großen
Supraoculare umgeben ist. Die Anzahl der 203–245 Ventralia und der 47–84
Subcaudalia unterliegt innerhalb des großen Verbreitungsgebietes einer
Nord-Süd-Steigerung.Der Analschild ist geteilt. Die Kiefer sind mit einer Reihe
kleiner, nach hinten gerichteter Zähne besetzt, welche bei Verlust nachgebildet
werden.
In Färbung und Zeichnung ist die Kornnatter durch ihr großes Verbreitungsgebiet
sehr variabel, die Grundfarbe reicht von einem matten Grau bis zu einem starken
Braun-Orange. Die 34–47 rechteckigen, mehr oder weniger stark schwarz
eingefassten Körper- und Schwanzflecken („Sattelflecken“) weisen zumeist eine
orange bis rötlich-braune Färbung auf und sind in ihrer Form und Anzahl ein
wichtiges Merkmal zur Abgrenzung der Kornnatter von der ihr sehr ähnlichen
Prärie-Kornnatter (Pantherophis emoryi). Auch in der Intensität der Färbung
lässt sich bei Pantherophis guttatus eine Veränderung entlang der Nord-Süd-Linie
des Verbreitungsgebietes beobachten, wobei sich die eher kontrastarm grau-braun
gefärbten Individuen aus nördlichen Populationen deutlich von ihren rötlicheren,
kontrast- und farbintensiveren Artgenossen aus dem Süden unterscheiden. Die
helle Bauchseite zeichnet sich durch ein für die Kornnatter typisches
„Schachbrettmuster“ aus, welches aus sich abwechselnden, hellen und
braun-schwarzen, rechteckigen Schuppen besteht. Die Kopfoberseite ziert ein
variables Ornament, welches am Hals in den ersten Sattelfleck überläuft.
Lebensraum und Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Kornnatter erstreckt sich entlang der Ostküste der
Vereinigten Staaten vom Bundesstaat New York bis in die Florida Keys. Die
westlichsten Populationen von Pantherophis guttatus finden sich in den
Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Tennessee, wo das Verbreitungsgebiet an
die Habitate der Slowinski's Kornnatter (Pantherophis slowinskii) und der
Prärie-Kornnatter (Pantherophis emoryi) grenzt.
Bedingt durch das große Verbreitungsgebiet bewohnt die Kornnatter
unterschiedlichste Lebensräume, die sich zum Teil erheblich in ihrer
geographischen Beschaffenheit und dem Lokalklima unterschieden. So reicht ihr
Lebensraum von Habitaten auf Seehöhe bis hinauf in höhere Lagen von über 750 m.
In den unterschiedlichen Zonen ihres Verbreitungsgebietes bewohnt die Kornnatter
sowohl sommerfeuchte Laub- und Nadelwälder, Busch- und Graslandareale als auch
Feuchtgebiete, als Kulturfolger ist sie darüber hinaus häufig in der Nähe
menschlicher Siedlungen zu finden.
Verhalten
Kornnattern gelten im Allgemeinen als nacht- und dämmerungsaktive Tiere, können
aber teilweise auch tagsüber an exponierten Stellen beim Sonnenbad beobachtet
werden. Die Suche nach geeigneten Beutetieren findet zumeist nachts oder in der
Dämmerung statt. Den Großteil ihres Lebens verbringt die Kornnatter verborgen
unter Laubstreu, Rindenmulch, Felsen sowie in hohlen Baumstämmen und Höhlen.
Kornnattern sind ausgesprochen gute Kletterer und sind somit auch in Bäumen
anzutreffen, wo sie Vögel erbeuten oder deren Nester plündern – Wasser wird,
obwohl die Tiere gute Schwimmer sind, weitestgehend gemieden. Auf Bedrohung
reagieren Kornnattern zumeist mit Flucht, nur selten kann das typische
Abwehrverhalten beobachtet werden – dabei richtet die Schlange ihr vorderes
Körperdrittel in einer für viele Schlangenarten typischen S-Haltung auf und
schnellt daraus bei anhaltender Bedrohung blitzschnell vor, um Abwehrbisse
auszuführen. Besonders bei jungen Kornnattern kann in Stresssituationen auch ein
deutliches Vibrieren mit der Schwanzspitze beobachtet werden, welches vermutlich
dazu dient, in trockenem Laub ein einschüchterndes, rasselndes Geräusch zu
erzeugen. In großen Teilen des Verbreitungsgebietes begeben sich Kornnattern in
der kühleren Jahreszeit in eine mehr oder weniger ausgedehnte Winterruhe. Zu
diesem Zweck versammeln sich oft hunderte Exemplare an geeigneten Stellen um
gemeinsam zu überwintern. Diese Ruheperiode dauert je nach lokalem Klima bis zu
4 Monate, in denen die Tiere weder Nahrung noch Wasser zu sich nehmen.
Ernährungsweise
Als dämmerungs- und nachtaktiver Lauerjäger ernährt sich die Kornnatter von
einem breiten Nahrungsspektrum, welches vorwiegend aus kleinen Säugetieren
(Mäuse, Ratten), Reptilien (z. B.: Anolis) und Amphibien besteht, auch Vögel
werden mitunter erbeutet. Darüber hinaus ist bekannt, dass die sehr
kletterfreudigen Kornnattern auch Vogelnester plündern und die darin enthaltenen
Eier und Jungvögel verspeisen. Die Kornnatter verfügt zum Beutefang über
keinerlei Gift und tötet ihre Beute deshalb durch Erwürgen. Zu diesem Zweck
schlingt sie ihren sehr muskulösen Körper mehrmals um das mit den Kiefern
fixierte Beutetier und erhöht damit den Druck auf die inneren Organe ihres
Opfers so lange, bis der Tod eintritt. Dem eigentlichen Schlingakt voraus geht
zumeist eine kurze Ruhepause, ehe die erlegte Beute – zumeist mit dem Kopf voran
– durch Bewegungen der äußerst flexiblen Kieferhälften und unterstützt von
windenden Muskelbewegungen des vorderen Körperdrittels im Ganzen verschlungen
wird.
Sinnesleistung
Die Kornnatter nimmt ihre Umgebung hauptsächlich durch das am Gaumendach
liegende vomeronasale Organ wahr, welches dazu dient, die mit der gespaltenen
Zunge aufgenommenen Geruchspartikel der Umgebungsluft zu analysieren und deren
Ursprünge genau zu orten. Durch die Spaltung der Zunge ist die Schlange fähig,
sich anhand der olfaktorisch wahrgenommenen Informationen auch räumlich zu
orientieren. Der Gesichtssinn der Kornnatter ermöglicht ihr ein scharfes,
binokulares Sehen auch auf längere Distanz (bis hin zum 5-fachen ihrer eigenen
Körperlänge)Wie bei vielen Schlangen ist das Gehör der Kornnatter
unterentwickelt und die Schlange deshalb weitgehend taub, das gut entwickelte
Innenohr ermöglicht dem Tier aber die Wahrnehmungen von Schwingungen wie
Schallwellen und Bodenvibrationen.
Fortpflanzung, Entwicklung und Geschlechtsreife
Die Paarungszeit der Kornnatter beginnt mit dem Abschluss der ersten Häutung
nach der Winterruhe (vereinzelt bei männlichen Exemplaren auch schon früher) im
Frühjahr. Männliche Tiere zeigen zu dieser Zeit eine erhöhte Aktivität und
durchstreifen unermüdlich das Gebiet auf der Suche nach paarungsbereiten
Weibchen. Treffen zwei Männchen dabei aufeinander kommt es häufig zu unblutigen
Ritualkämpfen, bei denen sich die Tiere umschlingen und versuchen, den
Konkurrenten niederzudrücken. Weibchen signalisieren ihre Paarungsbereitschaft
durch das vermehrte Abgeben von Pheromonen. Der Paarung voraus geht zumeist ein
ausgedehntes Balzritual, bei dem das Männchen das paarungsbereite Weibchen
verfolgt und versucht, auf dessen Rücken zu gelangen. Die Paarung selbst
geschieht durch das Einführen eines der beiden stachelbesetzten Hemipenises in
die Kloake des Weibchens und dauert im Regelfall 10–30 Minuten. Nach einer sehr
variablen Trächtigkeitsdauer von 30 bis 70 Tagen legt das Weibchen gewöhnlich
zwischen April und Juni ihre 8 bis 20 weichschaligen Eier an einem dafür
geeigneten Ort (z. B. unter Baumstümpfen oder Felsen) ab und verlässt danach das
Gelege. Ein Brutpflegeverhalten bei Kornnattern ist nicht bekannt. Die 20–30 cm
langen und unter 10 g schweren Jungschlangen schlüpfen in Abhängigkeit von der
Inkubationstemperatur nach ungefähr 60 bis 80 Tagen aus den Eiern, indem sie die
lederartige Kalkschale mit ihrem Eizahn eröffnen. Bis zu ihrer ersten Häutung
ungefähr 1 bis 2 Wochen nach dem Schlupf ernähren sich die Neonaten von den
Resten des vor dem Ausschlüpfen in die Bauchhöhle zurückgezogenen Dottersacks,
danach erbeuten sie selbstständig ihre erste Nahrung, zumeist in Form von
kleinen Amphibien und Reptilien, seltener auch jungen Säugetieren oder
Wirbellosen. In den ersten drei Lebensjahren wachsen Kornnattern recht zügig und
sind beim Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von ungefähr 3 Jahren (unter
optimalen Ernährungsbedingungen kann die Geschlechtsreife auch schon erheblich
früher, teilweise in einem Alter von erst 9 Monaten eintreten) bereits zwischen
100 und 120 cm lang. Während der Wachstumsphase unterliegen Färbung und
Zeichnung des Individuums einem deutlichen Wandel vom weitgehend grau−braunen
Jugendkleid zur häufig intensiv rot und orange leuchtenden Farbe der adulten
Kornnatter. In Gefangenschaft erreichen Kornnattern ein Alter von über 20
Jahren, über die Lebenserwartung im Freiland ist nur wenig bekannt, allerdings
dürfte diese deutlich unter dem in Menschenhand erreichten Höchstalter liegen.
Beschreibungsgeschichte
Die Erstbeschreibung der Kornnatter erfolgte bereits 1766 durch Carl von Linné
unter dem Taxon Coluber guttatus, sie gehörte damals zu den ersten
wissenschaftlich beschriebenen Schlangenarten Nordamerikas. Erst beinahe ein
Jahrhundert später wurde diese Klassifizierung durch Leopold Fitzinger revidiert
und die Kornnatter somit 1843 unter dem heute wieder gültigen Namen Pantherophis
guttatus weitergeführt, ehe sie 1985 – nach zahlreichen Neubeschreibungen – von
G. Stebbins unter dem Taxon Elaphe guttata in die umfassende Gattung der
Kletternattern (Elaphe, Fitzinger 1833) gestellt wurde, in welcher sowohl Alt-
als auch Neuwelt-Colubriden beschrieben wurden.
Moderne Systematik
In eingehenden wissenschaftlichen Untersuchungen zur Monophylie der Gattung
Elaphe stellten Helfenberger, Utiger et al. (2002) und Utiger et al. (2005)
anhand von DNA-Analysen und Untersuchungen am Aufbau der Hemipenes deutliche
Abweichungen innerhalb der Gattung fest, woraufhin diese revidiert und in 13
Gattungen aufgespalten wurde. Seither wird die Kornnatter gemeinsam mit neun ihr
nahe verwandten Spezies der wiedereingeführten Gattung Pantherophis, Fitzinger
1843 zugeordnet. Im Zuge dieser Überarbeitung verloren auch die vier bislang
beschriebenen Unterarten der Kornnatter (Elaphe guttata gutatta, E. g. rosacea,
E.g. meahllmorum und E.g. emoryi) ihre Gültigkeit und wurden in verschiedene
Arten eingegliedert, sodass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Unterarten von
Pantherophis guttatus anerkannt werden (Stand 2007).
Namensherkunft
Die wissenschaftliche Bezeichnung der Gattung Pantherophis setzt sich zusammen
aus den griechischen Wörtern „panthera“ (dt. „Leopard“) und „ophis“ (dt.
„Schlange“). Der Artname „guttatus“ hingegen stammt aus dem Latein und bedeutet
übersetzt „gesprenkelt“. Die Herkunft ihres am häufigsten verwendeten englischen
Trivialnamen „Corn Snake“ (dt. „Maisschlange“ bzw. „Kornschlange“) lässt Raum
für zwei Erklärungen: Eine Variante ist der Lebensraum der Kornnatter, die mit
Vorliebe auf Getreidefeldern und in Kornspeichern den dort häufig anzutreffenden
Nagetieren auflauert. Eine weitere Erklärung liefert der bunte Indianermais
(engl. „Indian Corn“), dessen Kolben Ähnlichkeit mit der Bauchzeichnung der
Kornnatter aufweist.
Die Kornnatter und der Mensch
Als Kulturfolger hält sich die Kornnatter gerne in der Nähe menschlicher
Siedlungen auf, um auf Kornfeldern und in Kornspeichern ihren Beutetieren
aufzulauern. Diese Nähe zum Menschen in Verbindung mit ihrem sehr ruhigen
Temperament und den einfach herzustellenden Haltungsbedingungen machte die
Kornnatter schon sehr früh zu einem beliebten Terrarienpflegling. Aus den
zahlreichen, auch in der Natur immer wieder vorkommenden Farbmutanten und
Lokalformen züchtete der Mensch im Laufe weniger Jahrzehnte eine Vielzahl
unterschiedlicher Farbvarietäten, die sich ungebrochener Beliebtheit bei
Heimtierhaltern aus aller Welt erfreuen.
Gefährdung und Schutzstatus
Die Kornnatter wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ (Least Concern) geführt,
da sowohl ihr Lebensraum als auch die Stabilität der einzelnen Populationen bis
auf Weiteres gesichert und gut dokumentiert sind.
Quelle: Wikipedia |